Neuer Pflegebedarfsplan – Ambulant vor stationär funktioniert (noch)

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Symbolbild Pixabay

„Ambulant vor stationär“ bleibt im Kreis ein sozialpolitisches Erfolgsmodell. Inzwischen leben fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen in ihrer vertrauten Umgebung, werden dort versorgt und betreut. Doch wenn sich der Pflegepersonalnotstand ausweitet, könnte dieses Lebensabend-Modell ins Wanken geraten.

Die beim Kreis angedockte Sozialplanung schob deshalb eine konzertierte Aktion an und nennt in dem vom Kreistag am 8. Oktober verabschiedeten Pflegebedarfsplan Kreis Unna 2019 auch wichtige Akteure. Vor allem Anbieter von Pflegedienstleistungen, Wohlfahrtsverbände, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Berufskollegs und Fachseminare für Altenpflege sollen – unterstützt von der Wirtschaftsförderung – zusammenarbeiten, um junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, Aussteiger zurückzuholen, ausländische Fachkräfte zu begeistern oder durch Umschulungsangebote neues Personal zu akquirieren.

Herausforderung und arbeitsmarktpolitisches Potential

Die Herausforderung ist ebenso groß wie das arbeitsmarktpolitische Potential. Mindestens 2.200 zusätzliche Fachkräfte werden nach der im Pflegebedarfsplan nachzulesenden Hochrechnung bis 2030 gebraucht, wenn die als Messlatte definierte Betreuungsquote von 1:2,45 aus dem Jahr 2015 wieder erreicht werden soll. Damit würden dann den rund 21.050 progostizierten Pflegebedürftigen knapp 8.590 Beschäftigte gegenüberstehen.

– Constanze Rauert –

Eckdaten des Pflegebedarfsplans 2019

  • Bei der letzten Erhebung (2017) erhielten rund 18.670 Menschen im Kreis Leistungen aus der Pflegeversicherung.
  • In den Pflegebetrieben wurden zum selben Zeitpunkt knapp 6.780 Personen beschäftigt, davon über 50 Prozent in Teilzeit.
  • Die Auslastung der Pflegeheime liegt bei 96 Prozent. Die Quote der für über 80-Jährige bereitzustellenden Pflegeheimplätze kann deshalb von 16 auf 14,5 Prozent gesenkt werden.
  • Aktuell gibt es über 4.030 Pflegeheimplätze, fast 330 weitere sind im Bau oder konkret geplant.
  • Für Service-Wohnen gibt es ein Angebot von 64 Anlagen und etwas über 2.060 Wohnungen, der Bedarf ist allerdings deutlich höher.
  • Mehr als 440 Personen leben in speziellen Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige, Demenzkranke oder Beatmungspatienten. Das entspricht fast fünfeinhalb großen Pflegeheimen.
  • Es gibt gut 380 Tagespflegeplätze. Das ist gegenüber 2017 ein Plus von über 35 Prozent.
  • Es besteht weiter akuter Bedarf an langfristig buchbaren Kurzzeitpflegeplätzen. Allerdings fehlt immer noch eine bundeseinheitliche Finanzierungsregelung.
  • Fast 1.690 Personen mit dem Pflegegrad 1 erhalten Leistungen aus der Pflegeversicherung. Bei der früher geltenden Einstufung nach Pflegestufen hätten sie keine Leistungen erhalten.

Den Pflegebedarfsplan können Sie hier einsehen.

PM: Kreis Unna

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